Digitaler Humanismus

Kategorie: Öffentlich

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin

Zum Abschluss der Ringvorlesung „Künstliche Intelligenz“ hielt Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin einen Gastvortrag.


Über „Eine Ethik für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz“ referierte Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin am 6. Juli an der TH Aschaffenburg zum Ausklang der virtuellen Vorlesungsreihe, die im April gestartet war. Vor einem interessierten Publikum, das sowohl coronabedingt in begrenzter Teilnehmerzahl vor Ort war, als auch mit zahlreichen per Videokonferenz zugeschalteten Zuschauerinnen und Zuschauern virtuell vertreten war, gab er Einblick in die philosophischen Grundlagen eines "Digitalen Humanismus", für den die Unterscheidung zwischen menschlichem Denken, Empfinden und Handeln einerseits und softwaregesteuerten, algorithmischen Prozessen andererseits zentral ist.

Professor Nida-Rümelin ist Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat nicht nur – unter Anderem – über Ethik und Verantwortung geforscht, sondern letztere im öffentlichen Raum auch übernommen: Im ersten Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder war er Staatsminister für Kultur und Medien. 
Seine Arbeit bot immer wieder Anlass zu öffentlichen Debatten, in den vergangenen Jahren beschäftigte er sich mit „Digitalem Humanismus“. In einer Zeit, in der Algorithmen Entscheidungen von ethischer Relevanz übernehmen können, geht es darum, die Errungenschaften von Aufklärung und Humanismus im Kontext der Künstlichen Intelligenz zu bewahren und zu erweitern und damit auch unser Selbstbild neu zu beleuchten. 

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ ist nicht wirklich neu, die dahinterstehenden Konzepte werden seit den Fünfziger-Jahren des letzten Jahrhunderts erforscht. Doch dank großer Datenmengen, hoch entwickelter Algorithmen, enorm gestiegener Rechnerleistung und der Allgemeinverfügbarkeit via Smartphones durchdringt er in diesen Tagen sämtliche Lebens- und Arbeitsbereiche und wirft nicht nur technische, sondern auch soziale, juristische und ethische Fragen auf. 
Die an der TH Aschaffenburg vom Kompetenzzentrum Künstliche Intelligenz organisierte Ringvorlesung beleuchtete in den vergangenen drei Monaten den Problemkreis beispielorientiert und praxisnah und hat dazu beigetragen, das Thema KI ein wenig zu „entzaubern“ und Mutmaßungen durch Information zu ersetzen.