Elektrotechnik-Absolventen der TH AB mit Friedrich-Dessauer-Preis ausgezeichnet

Kategorie: Forschung

v.l.n.r.: Prof. Dr. Ralf Hellmann, Daniel Franz, Prof. Dr. Ingo Jeromin (Vorsitzender des VDE-Rhein-Main), Prof. Dr. Johannes Teigelkötter, Kai Kuhlmann, Prof. Dr. Konrad Mußenbrock (Dekan Fakultät Ingenieurwissenschaften)

Prof. Dr. Ingo Jeromin

Preisträger Daniel Franz bei seinem Vortrag und der Preisverleihung

Preisträger Kai Kuhlmann bei seinem Vortrag und der Preisverleihung

Der VDE Rhein-Main prämiert die Masterarbeiten von Daniel Franz aus Weibersbrunn und Kai Kuhlmann aus Aschaffenburg.


Bereits zum 8. Mal hat der VDE Rhein-Main e.V. am 15. Juni 2021 an der TH Aschaffenburg den Friedrich-Dessauer-Preis verliehen. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Preisverleihung zwar vor Ort statt, der Großteil des Publikums nahm jedoch per Videokonferenz teil.

Die Urkunden und das Preisgeld überreichte der Vorsitzende des VDE-Bezirks Rhein-Main Prof. Dr. Ingo Jeromin in diesem Jahr an Daniel Franz aus Weibersbrunn und Kai Kuhlmann aus Aschaffenburg, die beide den Masterstudiengang Elektro- und Informationstechnik erfolgreich absolviert haben. Das Preisgeld von insgesamt 1.500 Euro wird unter den beiden Preisträgern aufgeteilt. 

TH-Präsidentin Prof. Dr. Eva-Maria Beck-Meuth und der Dekan der Fakultät Ingenieurwissenschaften Prof. Dr.-Ing. Konrad Mußenbrock gratulierten im Namen der Technischen Hochschule. 

Mit dieser Auszeichnung würdigt der „Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.“ hervorragende Leistungen auf technisch-wissenschaftlichem Gebiet und setzt ein Zeichen für die gesellschaftliche Bedeutung von Ingenieurinnen und Ingenieuren und ihrer Arbeit.

Konzept für das Hochgeschwindigkeits-Lasermikrobohren
Daniel Franz hat im Rahmen seiner Masterthesis ein Konzept für das Hochgeschwindigkeits-Lasermikrobohren entwickelt, um eine noch effizientere Bearbeitung von elektronischen Leiterplatten zu ermöglichen. 

Da elektrische Bauelemente immer kompakter werden und die Verdrahtungen immer dichter aneinander liegen, müssen auf einer Leiterplatte mehrere tausende Sacklochbohrungen (sogenannte Mikrovias) hergestellt werden, welche die elektrische Verbindung zu benachbarten Schichtebenen ermöglichen. Zur Realisierung kleinstmöglicher Durchmesser der Mikrovias von weniger als 50 Mikrometern hat sich die Herstellung mittels Ultrakurzpuls (UKP)-Laser mit einer zeitlichen Pulsdauer in einem Bereich von Billionstel- und Billardstel-Sekunden bewährt. 
Ein Ansatz, um die Effektivität des UKP-Materialabtrags in der Elektronikfertigung zu erhöhen, ist die Bearbeitung mit erhöhter Laserpulsfrequenz. Mit steigenden Laserpulsfrequenzen gilt es Puls-zu-Puls-Wechselwirkungen zu berücksichtigen, welche sich nachteilig auf die Bohrqualität der Mikrovias auswirken. Um dies zu vermeiden, wird eine schnelle Laserstrahlablenkung benötigt. Daher bestand die Zielsetzung der Masterarbeit darin, ein schnelles Laserstrahlablenkungskonzept für die Elektronikfertigung mit Ultrakurzpulslaser und akusto-optischen Deflektoren zu entwickeln und zu evaluieren.

Hochdynamische Regelung für einen leistungsfähigen Traktions-Stromrichter
Eine hochdynamische Regelung für einen leistungsfähigen Traktions-Stromrichter mit unterschiedlichen Energiespeichern ist das Ergebnis der Masterarbeit von Kai Kuhlmann.

Im vorherrschenden Wandel moderner Antriebsstrukturen ist die Kombination eines klassischen Verbrennungsmotors mit einer elektrischen Antriebsmaschine nicht die einzige Möglichkeit, Antriebssysteme zu hybridisieren. Zur effizienten Verwendung einer einzelnen elektrischen Maschine als Antriebseinheit können mittels geeigneter Wechselrichtertopologien verschiedenartige Energiespeicher einzeln auf die Mobilitätsanwendung abgestimmt werden. Ergebnis dieser Masterarbeit war die Entwicklung eines Regelverfahrens des beschriebenen Konzepts, mit welchem leistungsstarke Antriebe effizient betrieben werden können. Neben den klassischen regelungstechnischen Aufgaben wurde, für den Anwendungsfall mit zwei Batteriesystemen als Energiespeicher, ein neuartiges Hochleistung-DC-Ladeverfahren erarbeitet, über das beide Energiespeicher ohne zusätzliche Ladeelektronik im Stillstand sowie im Fahrbetrieb mit hoher Leistung geladen werden können.

Beide Masterarbeiten wurden Zentrum für wissenschaftliche Services und Transfer (ZeWiS) der TH Aschaffenburg umgesetzt. Die Masterarbeit von Daniel Franz wurde von Prof. Dr. Ralf Hellmann in der Arbeitsgruppe alp (Angewandte Lasertechnik und Photonik) betreut. Prof. Dr. Johannes Teigelkötter betreute die Arbeit von Kai Kuhlmann im Labor für elektrische Maschinen, Leistungselektronik und Antriebe an der TH Aschaffenburg.
Die beiden Absolventen arbeiten inzwischen als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Technischen Hochschule bzw. dem ZeWiS in Obernburg und streben eine kooperative Promotion an. Daniel Franz forscht im Bereich der Laser-Robotik und Kai Kuhlmann ist im Bereich der Leistungselektronik tätig. 


Hintergrundinformationen:
Der Friedrich-Dessauer-Stiftungspreis wird jährlich durch den Vorstand des VDE Rhein-Main zur Förderung von Absolventinnen und Absolventen in den Fachbereichen Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik an ausgesuchten Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet verliehen. 

Der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) Bezirksverein Rhein-Main ist ein gemeinnütziger technisch-wissenschaftlicher Verein, bei dem Preise und Ehrungen ein wichtiger Bestandteil der Innovations- und Nachwuchsförderung sind. Mit ihnen möchte der VDE hervorragende Leistungen auf technisch-wissenschaftlichem Gebiet anerkennen, den Nachwuchs motivieren und die gesellschaftliche Bedeutung von Ingenieurinnen und Ingenieuren und ihrer Arbeit in den Blickpunkt rücken.