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Wie Ideen auf dem Campus Wurzeln schlagen: Vom Hochschulgarten zur Photovoltaik-Inselanlage

Eine junge Frau, die den Hochschulgarten gießt

Zwischen Hörsälen und Mensa entsteht an der TH Aschaffenburg etwas, das man nicht sofort in Vorlesungsverzeichnissen findet: eine lebendige Bewegung für mehr Nachhaltigkeit – getragen von Menschen, die nicht nur darüber sprechen, sondern ins Handeln kommen.

Ein Anlaufpunkt dafür ist das Green Office: kein klassisches Büro, sondern ein Ort, an dem Ideen Form annehmen und Projekte wachsen. Im Kern besteht das Green Office aktuell aus einem engagierten Team von vier Personen: Andreas Rüthlein, Klimaschutz-Manager an der TH AB, Nachhaltigkeitsbeauftragte Prof. Dr. Sabrina Weithmann sowie die studentischen Hilfskräfte Anna Brunner und Leonard Müller. Anna kümmert sich um die Bewirtschaftung des Urban Gardens, und Leonard um Marketing und Kommunikation. Doch die eigentliche Stärke liegt in der Gemeinschaft: Viele weitere Studierende packen regelmäßig mit an, bringen eigene Ideen ein und gestalten die Projekte aktiv mit.

Im Frühjahr startet auf dem Campus eine besonders lebendige Phase: Der Hochschulgarten wird aus dem Winterschlaf geholt und Schritt für Schritt wieder zum Leben erweckt. Beete werden vorbereitet, Samen gemeinsam ausgewählt und eingekauft – und ganz nebenbei gibt’s gleich noch das passende Workout dazu, denn die Säcke mit Pflanzenerde finden ihren Weg natürlich nicht von allein ins Beet. Was dann folgt, ist alles andere als stilles Gärtnern. Hier wird gemeinsam angepackt, gesät, gepflanzt, gegossen und ausprobiert – oft begleitet von Gesprächen über alles Mögliche, spontanen Ideen und jeder Menge guter Stimmung. Schritt für Schritt entsteht so ein Garten, der nicht nur wächst, sondern jedes Jahr ein Stück mehr zeigt, wie lebendig Campusgemeinschaft sein kann.

  • Auswahl an Pflanzen und Saaten, sowie Blumenerde auf einem Einkaufswagen

    Hier wurde fleißig für den Urban Garden eingekauft.

  • Hochschulgarten mit seinen Pflanzenkästen, sowie Studentin im Hintergrund bei der Arbeit im Garten

    Anna und weitere Studierende haben die neuen Pflanzen sowie Saatgut eingepflanzt.

  • Eine junge Frau, die den Hochschulgarten mit blauer Gießkanne gießt

    Nun wird fleißig gegossen.

  • Junge Frau, die im Hochschulgarten arbeitet und in die Kamera lacht

    Hier sieht man Anna bei Arbeiten, wie Sträucher zurückschneiden und Unkraut jäten.

  • Junge Frau, die im Hochschulgarten arbeitet

    Hier sieht man Anna bei Arbeiten, wie Sträucher zurückschneiden und Unkraut jäten.

  • Junge Frau, die im Hochschulgarten im Gewächshaus arbeitet.

    Hier sieht man Anna bei Arbeiten, wie Sträucher zurückschneiden und Unkraut jäten.

Anna studiert im letzten Semester Mittelstandsmanagement an der TH. Wir haben sie zu ihren Aufgaben im Green Office interviewt. Neben einem Einblick, wie ihre Arbeit dort aussieht, erzählt sie außerdem, wie sie persönlich mit dem Thema Nachhaltigkeit umgeht – und welche Rolle die Hochschule dabei spielt, indem sie Engagement unterstützt und nachhaltiges Handeln im Studium und darüber hinaus erleichtert.

  • Blumenwiese und ein Hochschulgebäude

    Grüner Campus der TH Aschaffenburg

  • Ein Volleyballfeld und Studierende, die Volleyball spielen

    Volleyballfeld auf dem Campusgelände

  • Wiese, Blumen und ein Hochschulgebäude

    Grüner Campus der TH Aschaffenburg

  • Studentin auf einer Bank im Freien

    Liegefläche auf dem Campusgelände

Mehr Natur auf dem Campus: Gemeinsam Artenvielfalt fördern und erhalten

Auch an anderen Stellen summt und bewegt sich etwas: Gemeinsam mit einem lokalen Imker sind auf dem Campus zwei Bienenstöcke eingezogen. Während die Bienen fleißig ihren eigenen Campus-Honig produzieren, erledigen sie ganz nebenbei noch einen ziemlich wichtigen Job: Sie sorgen dafür, dass im Hochschulgarten alles ordentlich bestäubt wird. Ausgestattet mit Schutzkleidung und Imkeranzug hatte sich ein Student sogar direkt an den Bienenstock gewagt. Er konnte hautnah erleben, wie viel Fingerspitzengefühl und Sorgfalt die Arbeit mit den Bienen erfordert: Vom behutsamen Öffnen der Stöcke bis hin zum Einblick in die Organisation des Bienenvolks. Noch ein kleiner Geheimtipp: Unser Campus-Honig kann bei Hochschulveranstaltungen wie dem Studieninfotag oder dem Open Campus probiert werden – direkt vor Ort und frisch vom Campus.

  • Imker bei der Arbeit an einem Bienenstock

    Unser Imker bei der Arbeit auf dem Hochschulgelände.

  • Imker bei der Arbeit an einem Bienenstock

    Unser Imker bei der Arbeit auf dem Hochschulgelände.

  • Imker bei der Arbeit an einem Bienenstock

    Unser Imker bei der Arbeit auf dem Hochschulgelände.

  • Zwei Bienenstöcke

    Die Bienenstöcke der TH Aschaffenburg

  • Bienen an einem Bienenstock

    Unsere Bienen am TH AB Bienenstock

  • Bienen an einem Bienenstock

    Unsere Bienen am TH AB Bienenstock

Das Green Office hat noch weitere Projekte zur Förderung der Biodiversität auf dem Campus umgesetzt. Dazu zählen unter anderem ein Insektenhotel, mehrere Nistkästen sowie Blühwiesen in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) und eine Futterstation für Eichhörnchen, die wertvolle Lebensräume und Unterstützung für heimische Tierarten bieten. Das TH AB Insektenhotel wird auf humorvolle Weise „Air BEE & BEE“ genannt, angelehnt an eine Online-Plattform zur Vermittlung von Unterkünften.

  • Ein selbstgebautes Insektenhotel

    Insektenhotel „Air Bee & Bee“ der TH Aschaffenburg

  • Ein selbstgebautes Insektenhotel

    Insektenhotel „Air Bee & Bee“ der TH Aschaffenburg

  • Ein selbstgebautes Insektenhotel

    Insektenhotel „Air Bee & Bee“ der TH Aschaffenburg

Die Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) spielt an der TH eine wichtige Rolle: Auch das Labor für regenerative elektrische Energiesysteme bringt dabei seine Expertise ein und zeigt, wie sich technische Innovationen und Naturschutz sinnvoll verbinden lassen.

Nachhaltige Lösungen im Naturerlebnisgarten: Projekt PV-Inselanlage

Die Ausgangslage ist ernst. Heiße, trockene Sommer lassen den Wasserspiegel sinken – ein Problem, das Folgen hat. Denn flaches, warmes Wasser begünstigt die Ausbreitung von Blaualgen. Diese können nicht nur das ökologische Gleichgewicht stören, sondern auch für Tiere und Menschen gefährlich werden. Gerade an einem Ort, an dem Kinder die Natur entdecken und Umweltbildung im Mittelpunkt steht, ist das ein sensibles Thema. Um dem entgegenzuwirken, wurde bereits eine Teichbelüftungsanlage installiert. Sie sorgt dafür, dass Sauerstoff ins Wasser gelangt und dieses in Bewegung bleibt – zwei entscheidende Faktoren, um Algenwachstum einzudämmen. Doch damit stellte sich die nächste Frage: Wie lässt sich diese Anlage selbst nachhaltig betreiben? Und hier kommt die Projektarbeit „Photovoltaik-Inselanlage“ im Wahlfach „Labor elektrische Energiesysteme“ der Studierenden Anton Wolff und Oliver Kratzenberger ins Spiel.

Photovoltaische Inselanlagen sind eigenständige Energiesysteme, die elektrische Energie dort bereitstellen, wo kein Anschluss an das öffentliche Stromnetz vorhanden ist oder ein solcher wirtschaftlich nicht realisierbar wäre. Sie kommen typischerweise in abgelegenen Regionen zum Einsatz, etwa in ländlichen Gebieten, Berghütten oder auch in Entwicklungsländern, und ermöglichen dort eine grundlegende und zuverlässige Stromversorgung unabhängig vom zentralen Netz. Oder, wie in unserem Beispiel, in einem Naturerlebnisgarten.

  • Teichbelüftungsanlage

    Teichbelüftungsanlage des LBV in Kleinostheim im Naturerlebnisgarten

  • Bauwagen mit der Aufschrift Forscherwagen

    Forschungswagen im Naturerlebnisgarten

Oliver hat sein Bachelorstudium in Erneuerbare Energien und Energiemanagement bereits erfolgreich abgeschlossen und sich nach dem Abschluss bewusst für einen anderen Weg als viele seiner Kommilitoninnen und Kommilitonen entschieden. Statt direkt ins Berufsleben oder in den Master zu starten, entschied er sich für eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik. Für ihn kein Umweg, sondern eine gezielte Ergänzung:

Mein Ziel ist es, mein theoretisches Wissen gezielt durch fundierte praktische und handwerkliche Fähigkeiten zu ergänzen und so ein ganzheitliches Verständnis für energietechnische Systeme zu entwickeln. Langfristig strebe ich eine Position mit Führungsverantwortung an. Die Ausbildung sehe ich dabei als wertvolle Grundlage, um technische Abläufe nicht nur aus planerischer, sondern auch aus praktischer Perspektive beurteilen zu können und dadurch fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Oliver, Alumnuas Erneuerbare Energien und Energiemanagement

Auch seine Studienprojektarbeit hat ihn in dieser Entscheidung bestärkt. Als Werkstudent unterstützte Oliver bereits die Planung von PV-Anlagen – allerdings hauptsächlich am Schreibtisch mithilfe eines Planungstools. In der Projektarbeit sah das dann anders aus: Statt nur Arbeitszimmer und Bildschirm hieß es plötzlich „Raus ins Gelände“ und „Direkt an den Ort des Geschehens“. Seine Erfahrungen beschreibt er im Interview so:

Zudem waren wir mehrfach vor Ort und konnten uns die Pergola aus nächster Nähe ansehen sowie die Abmessungen sehr präzise erfassen. Das stellte eine willkommene Abwechslung zu meiner Werkstudententätigkeit dar. Dort habe ich PV-Planungen meist auf Basis von zugesendeten Bildern oder Daten aus Google Maps erstellt und hatte nur selten die Möglichkeit, die zu planenden Objekte direkt vor Ort zu besichtigen.

Oliver studierte im Bachelor an der TH AB

  • Ein Mann bei der Installation einer PV-Anlage

    Projektteam vor Ort im Naturerlebnisgarten zur Installation der PV-Inselanlage

  • Zwei Männer bei der Installation einer PV-Anlage

    Projektteam vor Ort im Naturerlebnisgarten zur Installation der PV-Inselanlage

Bei der Frage nach Herausforderungen, auf die Oliver während der Projektarbeit gestoßen ist, haben wir eine spannende Antwort erhalten. Auch dieses Beispiel zeigt wieder einmal, wie wertvoll die Erfahrung der Projektarbeit ist, da sie Situationen fernab von der Norm und Theorie im Vorlesungssaal bietet.

Die PV-Module sollten auf einer eigens errichteten Pergola installiert werden, die aus sieben Holzbalken als Sparren bestand. Die größte Herausforderung bestand darin, einen Installationsplan für die PV-Module zu erstellen, der eine sichere Montage gewährleistet, da der Untergrund aufgrund der unterschiedlichen Durchmesser der Holzbalken nicht eben war. Teile der Unterkonstruktion waren bereits im Vorfeld beschafft worden und somit vorgegeben. Dabei handelte es sich um ein System zur Aufständerung der Module, das üblicherweise einen ebenen Untergrund voraussetzt. Zusätzlich mussten die PV-Module aufgrund der Länge der Pergola hochkant montiert werden, was eher unüblich ist, da in der Praxis meist eine horizontale Ausrichtung gewählt wird. Letztlich wurden bestimmte Bereiche der Holzbalken begradigt, indem sie entsprechend gehobelt wurden. Anschließend konnten Profilschienen auf den ebenen Flächen montiert werden, auf denen wiederum die Füße der PV-Aufständerung befestigt wurden. Darüber hinaus musste ich mich in ein neues Planungstool (PV*SOL) einarbeiten, da das von mir zuvor als Werkstudent genutzte PV-Planungstool keine Hochkantaufständerung abbilden konnte.

Oliver Kratzenberger

  • Abbildung Wohnhaus mit netzgekoppelter PV-Aufdachanlage

    Abbildung Projektarbeit Oliver Kratzenberger, Aufbau einer klassischen netzgekoppelten PV-Aufdachanlage

  • Pergola neben einem Bauwagen mit der Aufschrift Forscherwagen

    Pergola neben dem Forscherwagen im Naturerlebnisgarten des LBV in Kleinostheim.

Auch wenn dieses Projekt außerhalb des Campus angesiedelt ist, steht es sinnbildlich für das, was die TH Aschaffenburg ausmacht: Studierende arbeiten an Lösungen, die reale Probleme adressieren – mit Blick auf Umwelt, Gesellschaft und Zukunft. Ob im Hochschulgarten, bei Energieprojekten oder in studentischen Initiativen – überall zeigt sich: Nachhaltigkeit entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und ihr Wissen anwenden.

Auch im Green Office steht in Kürze ein weiteres Projekt an, das mithilfe von Solarenergie umgesetzt wird. Anna durfte uns dazu noch keine Details verraten – nur so viel: Es bleibt spannend. Bald könnt ihr das neue Angebot selbst entdecken. Schaut dafür regelmäßig auf dem Instagram-Kanal des Green Office (@thaschaffenburg_greenoffice) und der TH Aschaffenburg (@studiereninab) vorbei.